31.07.2016

Burger

Letztens habe ich darüber nachgedacht eine Geschichte über Burger zu schreiben. Diese Burger wie man sie bei Fastfood-läden bekommt oder wenn man bereit ist etwas mehr Geld auszugeben auch in Restaurants und Burgerläden. Mein Tenor wäre gewesen, dass ein Burger doch eigentlich das Sinnbild des Westens ist. Nicht unbedingt ein Cheeseburger oder ein Hamburger, vielmehr so ein Burger bei dem man Not hat ihn in den Mund zu bekommen, weil er viel zu groß ist. Wenn man sich so einen Burger bestellt, hätte ich geschrieben, es wäre eine klare Botschaft: Seht her, ich habe so viel Essen, ich ersticke daran.

Da wo ich herkomme gibt es eine Stadt mit einer Stadtmauer. Diese Stadt ist mal belagert worden. Der Bürgermeister (in diesem Fall nicht mit der Speise zu assoziieren) hat dann seine dicke Ehefrau auf die Stadtmauer gestellt und den Belagerern ihr dickes Gesäß gezeigt. Auch er hatte eine Botschaft: Seht her, wir haben so viel zu essen, wir sind dick und fett. Ihr könnt uns ewig belagern. Eine Woche später sind die Belagerer abgezogen.

Genau so hätte ich den Burger in der heutigen Zeit interpretiert. Er wäre Sinnbild von westlichem Reichtum gewesen. Der Biss in den Burger wäre symbolisch geworden und diese Symbolik hätte bestimmt einigen nicht gepasst. Vielleicht hätten manche Menschen das Verzehren eines Burgers plötzlich rassistisch gefunden. Man weiß ja nie, was für merkwürdige Ideen die Menschen haben. Bestimmt wäre der Burger irgendwann zu einem konservativen Statement geworden, einem Statement der Freiheit und des Reichtums. Die linken hätten den Burger von da an verachtet. Ich bin mir sicher, irgendwie wäre der Burger auch zu einem Symbol der Frauenfeindlichkeit geworden, ein Symbol der Ausbeutung und der westlichen Arroganz. Es hätte möglicherweise Kriege im Internet gegeben um die Burger und das Burgeressen wäre viel mehr zu einem sozialer Aussage geworden. Menschen hätten mit Burger im Mund auf Facebook posiert. Oder mit Axt in der Hand, einen Burger zerstückelnd um ihre Einstellung wider der Burgerkultur auszudrücken. Burgerking hätte sich eventuell auf die Seite der Burgerliebhaber geschlagen und nur noch extra große Burger angeboten. Sie hätten dann Burger of Freedom geheißen, oder so ähnlich. Und McDonalds hätte gar keine Burger mehr verkauft. Stattdessen hätte es nur noch flache Speisen gegeben, die man ohne sich über Afrika lustig machend in den Mund hätte schieben können. Es wäre keine Geschmacksfrage gewesen zu McDonalds oder zu Burgerking zu gehen, viel mehr eine Frage der Haltung, der Zugehörigkeit. Der Burgerkrieg wäre kapitalistisch ausgeschöpft worden, die Zeitungen hätten sich dumm und dämlich Gedruckt. In Interviews wären Bildern von Berühmtheiten herangezogen worden und sie hätten Rechenschaft ablegen müssen über ihren vor Jahren verzehrten Burger. Nie wieder hätte man in Frieden einen Burger essen können.

Als ich mir das klar gemacht hatte dachte ich mir, nein, so eine Geschichte will ich nicht schreiben. So eine Geschichte, die die Welt polarisiert. Ich könnte ja nie wieder ganz ruhig und ohne politische Hintergedanken einen Burger essen gehen. Deswegen habe ich die Geschichte nicht geschrieben. Stattdessen schreibe ich diesen Text. Nur zur Sicherheit. Falls jemand zu sehr Anstoß an der Burgergeschichte gefunden hätte. Eventuell wäre aber auch einfach nichts passiert.

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